Und ich packe ihn nicht in Watte …

bad seefeldEs ist gar nicht so lange her, da schrieb ich, völlig ungefiltert mal auf Facebook darauf los. Der Grund: Ich hatte nur mal wieder ein Bildchen gesehen, mit dem Hinweis, das man seinen Hund doch gefälligst zu Hause zu lassen hat – weil es einfach mal überhaupt nicht gut ist für ihn. Genauer gesagt: Der Hund hat auf dem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen. Gleichgültig zu welcher Tageszeit. Denn immerhin sind die Weihnachtsmärkte von 10.00 Uhr bis Abends 20.00 Uhr, mal einfach komplett voll und überlaufen.

Ich stelle fest: Ich packe meine Hunde nicht in Watte! Auch ich war bereits mit einem Hund auf dem Weihnachtsmarkt. Nicht mit Sam, nicht mit Jacko. Votan war es. Der Hund den ich mit 8 Wochen zu mir geholt habe. Ein Welpe der in einem Dorf mit ein paar Straßenbahnen, groß und stabil geworden ist. Übrigens: Ganz, ohne Welpenschule und Co. Okay, Bremen ist eine Stadt. Für Votan war die Stadt, der ganz normale Alltag. Straßenbahnen, Menschenansammlungen, Fahrstühle, Straßenbahn, Busse, Fahrräder, Marktstände und Marktschreier, Geschäfte, wie auch Restaurants. Votan lernte schnell, dass das Leben hier so ist.

Mit Jacko bin ich an einem Nachmittag über die Breminale gelaufen. Nicht am Anfang, als er zu mir kam – sondern nach der Zeit die er brauchte um zu lernen, dass wir in einer Stadt wohnen. Das zum städtischen Alltag Radfahrer gehören, die man nicht vom Fahrrad holt und man Männer nicht löchert. Jacko lernte auch, dass das Leben nun einmal so ist. Jacko begleitete mich wie auch der Votan in Restaurants, und sei es zur Not nur auf die Terrasse.

Votan und Jacko waren sogar beide mit in einem Zoo mit uns, sogar in mehreren während eines Urlaubs im Ostharz. Ich erinnere mich noch heute  daran, wie der Schäferhund (Jacko) 3 Meter zurück gesprungen ist als der Tiger zur Scheibe sprintete, während Votan den Tiger lediglich gelangweilt angesehen hat. Die Erdmännchen fand der Schäfi dafür aber toll und Votan wollte am allerliebsten mit ins Rotwildgehege.

Mit Sam war ich noch nicht auf dem Weihnachtsmarkt, nicht im Restaurant oder ähnlichen. Wir arbeiten noch an der Tatsache, dass das Leben nun einmal so ist. Vielleicht ist das Leben aber auch irgendwann so, dass ich feststellen werde, es wird Stress bleiben, entweder für ihn oder für mich. Es ändert sich jedoch nichts, wenn ich es nicht probiere.

elkeDen ersten Besuch mit Sam auf dem Wochenmarkt, oder im Zooladen musste ich eifrig mit dem Handy festhalten, weil es mir sonst keiner geglaubt hätte. Inzwischen ist das Normalität! Es ist das Leben, dass wir Dienstags und Donnerstags zu Elke gehen und eine Bockwurst für Sam kaufen. Hin und wieder nehme ich dann gleich den Schweinebauch auch gleich mit für ihn. Und es ist schön zu sehen, wenn der Hund eine Entscheidung trifft, die eine andere ist und ihn aus seinem Leben als Dauercamper rausholt. Dann kann ich sie annehmen und Sam und ich sind glücklich.

Ich muss also ein schlechter Hundehalter sein, denn ich mache Dinge, die man nicht machen soll laut irgendwelchen Menschen auf Facebook, die sich immer wieder verdammt viel Mühe geben, lustige Bilder mit simplen Text zu gestalten.

Und wo ist jetzt der Trick bei der ganzen Sache? Es ist eigentlich ganz einfach! Das eigene Tun und Handeln muss zum Hund passen. Für Votan war es völlig normal, sich in einer solch stark belebten Umwelt zu bewegen. Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, damit nicht schlimm, sondern spannend, ganz davon abgesehen das es auch mal Schmalzkuchen gab. Und es war kein Besuch auf einem Samstagnachmittag oder Sonntagnachmittag, das würde ich mir als Mensch schon nicht antun, mich da durch die Massen zu quetschen und 5 Minuten anzustehen, nur um mal einen Glühwein zu trinken.

Ein Bummel über die eher ruhige Breminale am Nachmittag, auf dem letzten Tag, war für Jacko vollkommen okay! Ich wäre nie im Traum darauf gekommen, auf einen Samstagabend mit ihm darüber zu laufen. Das wäre nichts für ihn gewesen. Doch an einem Nachmittag, kann man auch gemütlich mal ein Schaumeis futtern.

Und mit Sam laufe ich nicht über den Wochenmarkt, wenn die Stände von Menschen überlaufen sind und die Hausfrauen ihre Einkäufe erledigen. Ganz davon abgesehen, das ich dann auch arbeiten muss. Der Trick ist also eher, Bauchgefühl und Timing! Aber ich laufe mit ihm darüber, weil dort Menschen sind, weil dort eine gewisse Hektik herrscht und weil es Training ist! Denn das Leben ist so!

Wer also über den Weihnachtsmarkt gehen möchte, der soll dies ruhig mit seinem Hund tun. Wenn er vorher überlegt hat, ob es zu seinem Hund wirklich passt, ob der Hund diese Menschen, diese Gerüche, diese Geräusche, diese Enge aushalten kann. Wer ein gesundes Bauchgefühl hat, sollte dazu in der Lage sein!

Doch, es ist ja nicht nur der Weihnachtsmarkt! Es ist ja inzwischen wirklich das ganz normale Leben, was laut diverser Posts mit dem Hund nicht mehr geht, oder wo einem als Hundehalter einfach nur ein schlechtes Gewissen suggeriert wird, wenn man es dann doch macht.

„Binde deinen Hund nie vor dem Supermarkt oder Bäcker an!“

Ja, es gibt die Fälle in denen der Hund vor dem Supermarkt oder dem Bäcker/Kiosk geklaut werden. Vielleicht befreien sich auch einige Hunde selber von dort, oder einige Gutmenschen glauben der Hund wurde ausgesetzt. Ich will es nicht negieren, diese Fälle gibt es, aber die Entscheidung darüber treffe ich als Hundehalter, ob ich meinen Hund anbinde davor oder nicht.

Meine Erfahrungen: Votan wurde nie geklaut, nicht einmal als Welpe.  Man hätte diese 40 kg auch tragen müssen und 40 kg können verdammt schwer sein, wenn man sich nicht bewegen will. Mein Ex hat ein halbes Jahr gebraucht, um mit Votan zu laufen. Votan hat sich immer freudig in Bewegung gesetzt, wenn er die Leine genommen hat um Mittags mit ihm laufen zu gehen. Votan hat die Wohnung verlassen, doch nach der Haustür war Ende. Der Hund bewegte sich nicht mehr von der Stelle.

Bei Jacko war es ein wenig anders. In meiner Anwesenheit fand er Menschen toll, und für nen Keks hätte er alles getan. Der war echt bestechlich und hat dabei auch ganz gerne die ganze Hand genommen. War er angebunden, weil ich noch einmal schnell was holen musste und nicht erst den Hund wieder nach Hause bringen und wieder los wollte, hat er gar keinen so nah an sich heran gelassen, das man irgendwie an Leine oder Halsband gekommen wäre.

Auch Sam habe ich schon vor dem Bäcker angebunden. Immer wenn ich morgens Lust auf Schoko-Croissants habe. Die gibt es nämlich nur bei einen der drei Bäcker an denen ich morgens vorbei komme, und bei diesem darf er nicht rein – wie bei den meisten Bäckern. Das darf er nur bei Bäcker Nummer 2 (Ja, ich nehme den Sam auch schon mal zum Bäcker mit rein!). Da habe ich Sam jedoch im Blick und er würde ebenfalls niemanden so nah an sich heran lassen. Übrigens: Schoko-Croissants sind ja auch noch einmal so ein Thema, was einem da teilweise verkauft wird, erinnert mich nicht einmal am entferntesten an die leckeren Croissants meiner Kindheit/Jugend (Ich bin fast 40, ich darf das so langsam sagen).

Ob es mit Jacko oder Sam nun so gut ist, dass sie so reagierten bzw. reagieren, sei dahin gestellt. Es muss nicht jedem Hund gefallen, wenn sich ihm ein Mensch mal einfach so nähert mit der Absicht ihn womöglich noch berühren zu wollen.

„Geschirr oder Halsband“

Eine der Streitfragen überhaupt! Sie wird nur noch getoppt durch das Thema Futter! Oder war es umgekehrt? Kurze und knappe Antwort: Beides! Ein Hund sollte beides kennen! So einfach! Mehr braucht man dazu gar nicht sagen! Es gibt überhaupt keinen Grund, dass ein Hund kein vernünftiges Halsband tragen sollte oder könnte. Ja, er könnte daran ziehen – doch dafür gibt es Leinenführigkeitstraining, ein Geschirr schafft da nicht automatisch Abhilfe nur weil es ein Geschirr ist. Natürlich kann ein Hund auch am Geschirr Leinenführig laufen, aber er kann es auch am Halsband. Es gibt keinen Grund, es nur am Geschirr zu machen. Und die gerne viel zitierte Studie, wird leider nur zu Teilen zitiert. Wer mag kann auch gerne hierzu den Beitrag des Tierarztes Ralph Rückert lesen: http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19143.

„Der Sommer und der Hund“

Der Sommer ist nach Facebook eine der schlimmsten Jahreszeiten für den Hund. Spaziergänge sind nur noch in der Nacht möglich, das fahren im Auto schon grenz wertig und im Auto warten darf der Hund eh nicht.

Es sollte sich von selbst verstehen, dass ich meinen Hund nicht am Fahrrad durch die pralle Mittagssonne schleife, um dann anschließend gemütlich meinen Hund in der prallen Sonne am Laternenpfahl anzubinden um dann selber ein dickes fettes Eis zu mir zu nehmen.

Aber ein Gang ist durchaus möglich, den Temperaturen angepasst. Evtl. hat der Hund auch weniger Lust sich zu bewegen, dann muss ich mich dem anpassen. Ich bewege mich auch nicht gerne bei 30° Grad im Schatten, durch die pralle MIttagssonne, aber ein Gang zu einem Bach oder See durch einen dichten Wald machen den Sam und mir verdammt viel Spaß – auch bei 30° Grad im Schatten.

Das Problem entsteht dann nur, das wir mit dem Auto zum Wald fahren müssen und steigert sich, wenn wir auch noch tanken müssen. Autos fahren leider nicht mit Luft und Liebe, sondern brauchen Benzin. Ich ertappte mich dieses Jahr dabei, an einem sehr heißen Tag in Hannover beim Training, an der Tankstelle die ja doch immer Schatten haben, zusätzlich zu den geöffneten Fenstern auch noch den Kofferraum zu öffnen. Mein Hund döste im übrigen neben seiner Kühldecke gemütlich weiter. Immerhin trieb der Facebook-Mob vor kurzem erst die Trainerin umher, die nur etwas aus ihrem Haus geholt hatte nachdem die Hunde schon im Auto waren.

„Restaurant und Hund“

Da wird in einer Gruppe nach einem Restaurant gefragt, wo auch der Hund mit rein darf. Abgesehen von der Tatsache das es mich immer wieder erstaunt, so eine Frage zu lesen, kommen dann gleich die Kommentare: „Lass den Hund zu Hause, ist viel zu viel Stress“ und „Ich würde meinen Hund ja nicht mitnehmen“, etc … Ab und wann verirrt sich dann ein hilfreicher Kommentar und es wird wirklich ein Restaurant empfohlen.

Ich schrieb weiter oben schon: Votan und Jacko waren auch mit in Restaurants! Da habe ich mir einen strategisch guten Platz gesucht, wo die Hunde runter fahren können und fertig. Ende der Geschichte: In der Regel bekommt der Hund als erstes von der Bedienung was zu trinken und einen Keks, bevor überhaupt meine Bestellung aufgenommen wird. Im Harz ist Votan sogar wieder erkannt worden und wir wurden gefragt, ob wir im Januar schon einmal da waren.

Ja, es mag wirklich Stress sein wenn man noch nie in einem Restaurant war mit seinem Hund. Aber was spricht dagegen es zu üben? Gerade wenn man seinen Hund als Welpen bekommt. Ich habe mit Sam dieses Jahr auch auf einer Restaurant-Terrasse gesessen und einen Latte getrunken.

„Trockenfutter, Nassfutter und BARF“

Da fragt jemand in einer Gruppe nach einem vernünftigen Trockenfutter aus … Gründen, und als Antwort erntet er: „Rohfütterung“, „Meine Hunde werden gebarft“. Die Rohfütterung ist zur Religion geworden. In Sektenmanier werden neue Anhänger geworben, die als bald dann, wieder los ziehen um neue Jünger ins Boot zu holen. Hin und wieder steigt einer aus, der wird dann gesteinigt.

Die Futterdiskussionen sind müssig! Es gibt Menschen, denen ist Rohfütterung zu viel Arbeit, die haben Probleme mit rohen Fleisch, oder… Wenn dann jemand ein hochwertiges Trockenfutter füttert, ist doch auch okay. Es gibt auch Hunde (ja – das muss man so sagen!) die werden mit Pedigree und/oder Aldi-Futter steinalt und bleiben fit. Auch Helmut Schmidt ist alt geworden, obwohl er eine Zigarette nach der anderen geraucht hat. Ganz davon abgesehen, dass es sogar schwierig sein kann, wenn der Hund nicht gerade viele Sorten Fleisch darf und das mal wieder nicht lieferbar ist (so etwas kommt leider vor, wir leben aktuell im Zeitalter des Lammfleischmangels).

„Dr. Facebook“

Was um Himmels willen bringt Menschen dazu, medizinische Fragen auf Facebook zu stellen? Was ist daran so schwer, dann einen Tierarzt aufzusuchen, wenn mich das Problem das mein Hund gerade hat doch schon so sehr beschäftigt, ich mir Sorgen mache! Seltsamerweise gibt es genau hier, keine Menschen die lustige Bilder malen und schreiben, das ist verboten. Im Gegenteil – geht man nach Facebook sind die meisten Tierärzte schlecht und man sollte doch künftig lieber einen Heilpraktiker aufsuchen, wenn man mit X und Y nicht weiter kommt.

Ich will keinen THP’ler ins schlechte Licht rücken! Es gibt oft, sehr gute und triftige Gründe einen solchen aufzusuchen. Entscheidend ist jedoch, wenn mich ein Problem beschäftigt das mein Hund hat – dann suche ich einen Spezialisten auf und in vielen Fällen die gepostet werden, sind es Probleme die einen Veterinärmediziner erfordern.

bäckerResüme: Mein heutiger morgen begann damit, das ich einen Artikel gelesen habe in dem mit mächtig erhobenen Zeigefinger davor gewarnt wurde, den Hund mit auf dem Weihnachtsmarkt zu nehmen. Ehrlich gesagt, da freue ich mich schon ein ganz klein wenig darauf, wenn die User in all den Facebook-Gruppen anfangen zu fragen, was sie denn nur zu Silvester mit ihrem Hund machen sollen. Silvester kommt wie Weihnachten auch immer so plötzlich!

Eingangs schrieb ich noch, dass ich ein schlechter Hundehalter sein muss, weil ich mich nicht an die Dinge halte, die viele andere auf Facebook so posten? Ich frage mich jedoch, wo sind diese Hunde? Eingepackt in Watte, in einer Glasvitrine (natürlich mit Sicherheitsglas) und einer von diesen neumodischen Welpen-Stubenrein-Matten?

Ich packe meine Hunde nicht in Watte, obwohl ich oft zur Übermutti mutieren kann, was meinen Hund angeht. Ich bin auch schon wegen Pickeln zum Tierarzt gefahren. Ich höre auf meinen Bauch und entscheide für meinen Hund individuell was geht und was (noch) nicht geht.

Wenn ich mir für 2016 etwas wünschen darf:  Etwas weniger Warnungen, etwas mehr Bauchgefühl und den Mut auch einfach mal zum Fachmann/zur Fachfrau zu gehen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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