Warum ich meine Hunde an der Leine führe!

Sam und Jacko

Sam und Jacko

Heute wurde mir erzählt, ich soll meine Hunde doch einfach erziehen, als ich jemanden darum bat einfach an uns vorbei zu gehen, was sie nicht wollte – weil sie für ihren Hund keine Leine hat.

Es ist schön! Es ist wirklich schön, wenn der Hund ohne Leine läuft. Ich kenne das, ich habe es geliebt und verdammt noch einmal: Ich vermisse es auch, irgendwie. Und trotz allem, dass ich einen Hund hatte der immer ohne Leine lief, hatte ich eine Leine dabei.

Ja, und warum sind dann meine Hunde an der Leine? Erste Erklärung: Weil es beides Hunde sind, die nicht dem süßen und kleinen Hund entsprechen. Second Hand Ware mit Vorgeschichte, einer unbekannten Vorgeschichte. Vermutlich sind sie auch nicht nur aus purem Zeitmangel abgegeben bzw. ausgesetzt wurden.

Bis ich so schön und entspannt an einer Schleppleine (die er hinterher zieht) mit Jacko laufen konnte, hat es lange gedauert. Männer waren eine potentielle Bedrohung für ihn, Radfahrer ebenso, wie alle Hunde. Heute sind Männer okay, Radfahrer stellen auch kein Problem mehr für uns da, kleinere Hunde liebt er und große Hunde akzeptiert er, wenn sich diese nicht völlig distanzlos verhalten.

Also, warum ist er noch an der Leine? Ganz einfach: Weil es viele Hunde gibt, die freudig auf einen anderen Hund drauf zu preschen. Dies ist bei einem kleineren Hund noch kein Problem, aber bei einem Hund der größer ist, so ab 20 kg aufwärts – sieht er es als potentiell bedrohlich an und zeigt dies dem anderen Hund auch deutlich.

Bedauerlicherweise sind gerade Hundebesitzer, die einen drauf los stürmenden „Der-Tut-Nix“ haben, immer ganz entrüstet und erzürnt, wenn ihr Hund dann quiekend und kreischend weg läuft, mit einem Kratzer zu ihnen läuft, oder auf dem Boden liegt während ein Schäferhund darüber steht.

Im Dunkeln gibt es noch einen weiteren Grund. Jacko, läuft dann im potentiellen Schutzmodus. Leider laufen im Dunkeln, gerade in Walle, auch immer mal wieder leicht wirre Menschen (Man sagt nicht umsonst: Alle verrückten nach Walle) durch die Gegend, deren verhalten Jacko als potentiell bedrohlich einstuft. Bei diesen Menschen kann es vorkommen, wenn mein Blick gerade woanders ist, dass diese klar und deutlich von ihm gestellt werden.

Sam wohnt ein halbes Jahr hier. Bereits in der Anfangszeit war erkennbar, da ist was! Auch mit Sam arbeite ich. Sehr viel, ständig und immer wieder. Zu Sam habe ich schon einiges und vieles zu hören bekommen, von: Der beißt gerne bis ganz schön aggressiv, aber auch: „Hätte ich Sam im Wesenstest, würde ich nichts Negatives über Sam schreiben können. Er hat eine klare und deutliche Sprache. Ich bin froh, dass er bei Dir ist und nicht irgendwo anders gelandet ist“.

Bei Sam kommen viele Komponenten zusammen: Deprivationsschaden und ein tief sitzendes Trauma Menschen gegenüber. Vereint man dies in einem Malinois, mit einer solchen typischen tiefen Bindung an seinem Besitzer, einen hohem Schutztrieb, einer gewissen Verlustangst und Ressourcenverteidigung, alles gepaart mit einer niedrigen Reizschwelle hat man einen Sam.

Menschen sind eine Bedrohung für ihn, wenn die Ablenkung durch bspw. andere Hunde nicht groß genug ist, wenn die Körpersprache der Menschen nicht klar ist, wenn sie sich hektisch bewegen.

Im Training machen wir viele Fortschritte. Doch die Fortschritte sind klein, aber zumindest für mich und einige Außenstehende erkennbar. Vermutlich würde ich mit der Blechnapf-Methode als Training, schneller zum Ziel kommen. Es ist aber nicht meine Art des Trainings! Ich arbeite im Training über positive Verstärkung und für TSD’ler trotz allem auch aversiv, weil ich Grenzen setze.

Hin und wieder, werden wir in unserem Training von Hundehaltern mit einem „Der-Tut-Nix“, oder weil sie keine Leine haben, zurück geworfen. Es ist nicht schön, aber trainiert auch meine Frustrationstoleranz.

Drum eine Bitte: Etwas mehr Verständnis! Auf Facebook werden überall die Bilder gepostet, von irgendwelchen ach so tollen und pflegeleichten Hunden, aus dem Ausland überall. Das es auch solche Hunde wie Jacko und Sam gibt, wird gerne ignoriert. Es bedeutet Arbeit! Und das wiederum bedeutet das viel Zeit in Training investiert werden muss.

Erfreut euch an euren „einfachen“ Hunden die nicht in vielen Situationen überfordert reagieren und das mit Angst oder auch Aggressionen zeigen. Ich habe die Zeit mit meinem „Null-Problem“-Hund genossen, war aber immer bemüht anderen mit Verständnis gegenüber zu treten und auch mal anders zu laufen als wie ich es gerade vor hatte weil jemand gerade mit seinem Hund trainiert. Ich habe mich bewusst für meine jetzigen Hunde entschieden und bin stolz auf die Fortschritte die wir bisher erzielen konnten. Denn es bedeutet in erster Linie nicht das es für mich stressfreier wird sondern für meine Hunde! So abgedroschen wie es klingen mag, aber: „der Weg ist das Ziel“

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